Bildungsarbeit gegen Antisemitismus

Mit Konstantin Seidler

Mi., 13.12.2017, 19.30 Uhr – Theatersaal (5.115)

Die Bearbeitung des Themenkomplexes „Bildungsarbeit gegen Antisemitismus – Antisemitismus in der Bildungsarbeit“ steht vor einigen Herausforderungen. Neben der tatsächlichen Aufklärungsarbeit um Erscheinungsformen von Antisemitismus und der Alltagsrealität von Jüd*innen und Juden die im Mittelpunkt der Arbeit stehen sollte, scheint es wichtig, die Unterschiede zwischen Antisemitismus und Rassismus zu verdeutlichen. Nicht zuletzt ist die Reflektion des eigenen Involviertseins dabei von entscheidender Bedeutung.

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„Dass man ihre Synagogen mit Feuer anstecke …“
Martin Luther und die Verfolgung der Juden in Deutschland

Mit Hubert Brieden (Historiker)

Mi., 29.11.2017, 19.30 Uhr – Theatersaal (5.115)

Die Hexenprozesse in Calenberg- Göttingen fanden in unruhigen Zeiten statt:
Kriegszüge und Wirtschaftskrisen bestimmten das Alltagsleben und die Reformation hatte sich noch nicht endgültig im Fürstentum durchgesetzt. Katholische und protestantische Fraktionen der Landesherrschaft kämpften um Macht und Einkommen. Aufstandsbewegungen sorgten in anderen
Teilen Deutschlands und Europas für Unruhe in den Herrscherhäusern. Die Hexenprozesse zwischen 1567 und 1574 stellten einen Versuch Herzog Erichs II. dar, die Reformierung seines Fürstentums rückgängig zu machen. Gleichzeitig wurde jüdischen Einwohnern der Aufenthalt im Land verboten und ein grausiger Prozess gegen zwei Juden geführt. Vor der Hinrichtung sollten sie durch Folter zum christlichen Glauben bekehrt werden.

Im Vortrag werden die Voraussetzungen für den weit verbreiteten Teufels- und Hexenwahn analysiert und die Frage gestellt, welche Rolle die Schriften und Predigten des Reformators Martin Luther bei der Durchsetzung des Judenhasses in Deutschland spielten.

Luther

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Polizei im Sicherheitsstaat: Zu viel Macht – zu wenig Kontrolle?

Neuere Polizeientwicklung, Kontrolldefizite und Sanktionsimmunität
im Fall von Polizeiübergriffen, Misshandlungen und Todesschüssen

Mit Dr. Rolf Gössner

und mit Kurzbeiträgen der Kampagne Halim Dener und von Aktiven der Roten Hilfe OG Hannover

Mi., 22.11.2017, 19.30 Uhr – UJZ Korn, Kornstraße 28, 30167 Hannover (ACHTUNG: außerordentlicher Veranstaltungsort!)
Das UJZ Korn ist ebenfalls barrierefrei.

Die Polizei in Bund und Ländern hat weit reichende Exekutivbefugnisse und wird – vor allem im Zuge der Terrorbekämpfung – weiter aus- und aufgerüstet. Immer wieder kommt es im Polizeialltag oder bei Demonstrationen zu überzogenen oder rechtswidrigen Polizeieinsätzen – zuletzt während des G-20-Gipfels in Hamburg.
Polizei als Hauptvertreterin des staatlichen Gewaltmonopols ist eine Institution mit Lizenz zur Gewaltausübung. Aber es gibt eben auch illegale Polizeigewalt. Das Erscheinungsbild ist vielfältig: von rassistischen Diskriminierungen, informationellen Übergriffen, geheimer Ausforschung und unverhältnismäßiger Polizeigewalt bei Demonstrationen bis hin zu lebensgefährlichen Polizeigriffen, willkürlichen Festnahmen, Folterdrohungen, Misshandlungen auf Polizeiwachen und Todesschüssen.
Bei der Aufarbeitung solcher Vorfälle stellt sich immer wieder heraus, dass eine unabhängige Kontrolle und Ahndung oft nicht gewährleistet ist. Und die neuere Polizeientwicklung verschärft dieses Problem: Freiheitsschädigende „Sicherheits- und Antiterrorgesetze“ sowie eine neue „Sicherheitsarchitektur“ führten zu einer fatalen Entgrenzung polizeilicher Aufgaben und Befugnisse sowie zu einer Erhöhung staatlicher Überwachungsdichte – mit der Folge, dass die Polizeimacht erheblich zunimmt und die öffentlich-demokratische Kontrolle von Polizeihandeln immer schwieriger wird.
Was tun angesichts eines gefährlichen Kontrolldefizits, das oft zur Sanktionsimmunität von Polizeiführung und Einzelpolizisten führt? Was kann man von anderen Staaten hinsichtlich der Kontrolle von Polizeihandeln lernen? Wie kann die Position von Betroffenen gestärkt werden, die sich mit juristischen Mitteln gegen Polizeiübergriffe wehren? Der Referent Rolf Gössner, seit Jahrzehnten mit dieser Materie befasst und mit viel eigener Polizei-Erfahrung, behandelt Ursachen und Bedingungen für die Misere und stellt politische und bürgerrechtliche Lösungsansätze vor. Stichworte: Auskunft aus Polizeidateien, Kennzeichnungspflicht für Polizisten, unabhängige Kontrollinstitutionen. Und er berichtet von seinen Erfahrungen etwa mit „Bürger beobachten / kontrollieren die Polizei“, Demonstrations- und Prozessbeobachtungen etc..

Der Referent Dr. Rolf Gössner ist Rechtsanwalt/Publizist, Vorstandsmitglied der Internationalen Liga für Menschenrechte (www.ilmr.de), Mitherausgeber des „Grundrechte-Report. Zur Lage der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland“, Sachverständiger in Gesetzgebungsverfahren von Bundestag und Landtagen, Mitglied der Jury zur Verleihung des Negativpreises BigBrotherAward. Autor bzw. Mitautor des Bestsellers „Der Apparat. Ermittlungen in Sachen Polizei“, von „Im Schatten des Rechts. Methoden einer neuen Geheim-Polizei“ (beide zus. mit U. Herzog), „Polizei außer Kontrolle?“ und „Erste Rechts-Hilfe“ sowie zahlreicher weiterer Bücher zu Innerer Sicherheit, Bürgerrechten und Demokratie.

HINWEIS:
Die Veranstaltung findet im Unabhängigen Jugendzentrum Kornstraße statt. Gegen dieses Jugendzentrum richtete sich CDU-Bundestagskandidat Maximilian Oppelt im Wahlkampf im September 2017, indem er die Streichung der städtischen Zuschüsse wegen “linksextremer” Aktivitäten forderte. Oppelts Wahlniederlage am 24.09.17 deutet natürlich leider keineswegs auf eine Beendigung des autoritären Rollbacks bundesdeutscher Politik hin. Deshalb werden wir uns an diesem Abend mit einer Facette des wachsenden Autoritarismus näher beschäftigen.
Eine Stellungnahme des Fachschaftsrats Soziale Arbeit zu diesem Thema findet ihr hier.

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Zur gesellschaftlichen Herstellung biologischen Geschlechts

Zugänge zu Vielfalt, um grenzachtend zu arbeiten

Mit Heinz-Jürgen Voß

Mo., 13.11.2017, 19.30 Uhr – Aula

Biologisches Geschlecht erscheint vielen als „sicher“, als „natürlich“ im Sinne von vorgegeben und unabänderlich. Das ist es nicht. Auch bei den derzeitigen biologischen Konzepten über Geschlecht – genauso wie bei den historischen – handelt es sich um Theorien. Sie sind Resultat einer gesellschaftlichen Ordnung, die zwei Geschlechter unterscheidet – und die in der Bundesrepublik Deutschland noch immer nicht vor menschenrechtsverletzender Gewalt zurückschreckt, wenn es darum geht, eindeutig „weiblich“ oder „männlich“ herzustellen. Heinz-Jürgen Voß arbeitet heraus: Mit den aktuellen biologischen und medizinischen Theorien über Geschlecht sind besser viele Geschlechter erklärbar, als nur zwei oder drei. Davon ausgehend besprechen und diskutieren wir pädagogische Möglichkeiten, grenzachtend zu arbeiten.

Zur Vorbereitung: Einführende und frei zugängliche Texte zum Thema sind im Volltext auf www.heinzjuergenvoss.de verlinkt. Die der Fragestellung zu Grunde liegende Doktorarbeit „Making Sex Revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive“ ist hier ebenfalls kostenlos, als OPEN-ACCESS-Dokument, verfügbar.

Biographische Notizen:
Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß: Jg. 1979, Studium der Diplom-Biologie in Dresden und Leipzig. Promotion 2010 zur gesellschaftlichen Herstellung biologischen Geschlechts in Bremen. Seit Mai 2014 Professur für Sexualwissenschaft und sexuelle Bildung an der Hochschule Merseburg und Leitung des Forschungsprojekts Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung, beides gefördert im Rahmen der BMBF-Förderlinie Sexuelle Gewalt in pädagogischen Einrichtungen.
Forschungsschwerpunkte: Sexualwissenschaft (sexuelle Bildung, sexuelle Gewalt), biologisch-medizinische Geschlechtertheorien, Geschichte und Ethik der Medizin und Biologie, Queer-feministische und kapitalismuskritische Theorien.
Thematisch zugehörige Publikationen: Making Sex Revisited (2010), Geschlecht: Wider die Natürlichkeit (2011), Intersexualität – Intersex: Eine Intervention (2012), Queer und (Anti-)Kapitalismus (mit Salih Alexander Wolter, 2013), Geschlechtliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung: Praxisorientierte Zugänge (Hg., gem. mit Michaela Katzer, 2016), Dritter deutscher Männergesundheitsbericht – Sexualität von Männern (gem. mit Doris Bardehle, Theodor Klotz, Bettina Staudenmeyer). Kontakt: voss_heinz@yahoo.de / www.heinzjuergenvoss.de .

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NSU: Blick in den Abgrund

Anti-demokratische Inlandsgeheimdienste, unkontrolliertes V-Mann-Unwesen, Nazi-Terror-Szene, rassistische Ermittlungen und Staatsversagen: Zwingende Konsequenzen aus dem NSU-Komplex

Mit Friedrich Burschel (Radio Lotte Weimar, NSU-Watch, Rosa Luxemburg Stiftung Berlin)

Mi., 01.11.2017, 19.30 Uhr – Aula

Nachdem im Münchener NSU-Prozess im Juli 2017 endlich das Ende der Beweisaufnahme erreicht wurde, ist jetzt der Weg frei für das Urteil.
Beantwortet sind die allerwenigsten Fragen vom Beginn des Prozesses. Gesellschaftliche und politische Konsequenzen spielen im Alltag vor Gericht und in den unterdessen 13 (!) Parlamentarischen Untersuchungsausschüssen so gut wie keine Rolle.

Hinter dem Agieren des terroristischen NSU und seines wohl Hunderte Personen umfassenden Unterstützer_innen-Netzwerks öffnete sich das Panorama des wohl größten Geheimdienstskandals der Geschichte der BRD und eines unvorstellbaren behördlichen Rassismus in den Mordermittlungen. Gegen die Familien der Opfer und die Ermordeten selbst wurde über Jahre mit kruden Vorwürfen und rassistischen Anschuldigungen ermittelt. Für die betroffenen Familien eine bis zu einem Jahrzehnt währende Demütigung, ohne dass je auch nur ansatzweise Spuren ins Nazi-Milieu verfolgt worden wären. Wie weit die staatliche Verstrickung in das Geschehen gegangen ist, ist bis heute nicht im Geringsten geklärt: Viele ungeklärte Fragen und haarsträubende Ungereimtheiten sind nach wie vor offen. Welche nationalen und internationalen Verbindungen zum NSU nachweisbar sind, ebenso.

Erst langsam artikuliert sich ein Aufschrei, der beginnt, eine öffentliche Diskussion des behördlichen und gesellschaftlichen Rassismus und der enormen Gefahren für das Gemeinwesen, die von den unkontrollierbaren (Inlands-)Geheimdiensten ausgehen, zu erzwingen. Zu dieser Diskussion soll der Vortrag von Friedrich Burschel beitragen.

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„Trauert nicht, organisiert euch!“

ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
Mo., 16.10.2017, 18:00 Uhr – Theatersaal (5.115)

GGB Hannover – Die kämpferische Basisgewerkschaft im Bereich Gesundheit und Soziales
Mo., 23.10.2017, 18:00 Uhr – Theatersaal (5.115)

DBSH – Deutscher Berufsverband (und tariffähige Gewerkschaft) der Sozialen Arbeit e.V.
Mo., 30.10.2017, 18:00 Uhr – Theatersaal (5.115)

Sozialarbeiter_innen in ihrer Rolle als lohnabhängige Beschäftigte werden im Studium nur selten als Thema von uns fokussiert. Dabei spricht vieles dafür, sich mit dem auseinanderzusetzen, was bald unseren Arbeitsalltag maßgeblich bestimmen wird. Denn die Realität der Arbeitsverhältnisse in der Sozialen Arbeit ist geprägt von prekärer Beschäftigung, von Personalmangel, von Arbeitszeit-überschreitungen, familienunfreundlichen Arbeitszeitmodellen und schlussendlich auch von einer großen Distanz zu den Verdienstmöglichkeiten anderer akademischer Berufe. Vor allem aber von einem, oft unausgesprochenem, Gefühl: „Das weiß man ja“ oder „das ist halt so, wenn man in sozialen Berufen arbeitet“.

Angesichts der vielfach empfundenen Normalität dieser Verhältnisse und der ohnehin schon großen, beruflichen Herausforderungen, wird die Unveränderlichkeit dieser Wahrnehmung und ihrer Ursachen von uns nur selten in Frage gestellt. Dabei prägen uns die Rahmenbedingungen unserer Anstellung, bei unserem Bestreben, gute Soziale Arbeit zu leisten, ebenso, wie etwa die Fragen der Widersprüchlichkeit unserer Mandate, der Ursachen sozialer Probleme oder der Methodenkompetenz. Denn ist es nicht auch ein Widerspruch, Menschen bei der Bewältigung ihres Alltags zu helfen und in der eigenen Lebenswelt ständig mit Verzicht und Einschränkungen konfrontiert zu werden?

Wer hat das gemacht und was können wir tun? Um die Auseinandersetzung mit diesen Fragen soll es an drei Abenden gehen, zu denen wir Gewerkschaften eingeladen haben, die Mitglieder aus der sozialen Branche vertreten. Wie können Gewerkschaften diese Verhältnisse beeinflussen und wer ist das eigentlich, „die Gewerkschaft“? Wir geben euch die Möglichkeit, unterschiedliche Gewerkschaften kennenzulernen, eigene Eindrücke zu gewinnen und eure Fragen zu stellen.

Die Veranstaltungen sind offen für alle Studierenden, aber auch für interessierte Beschäftigte aus den sozialen Berufen.

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Let’s push feminism forward – with Rap?

Workshop mit Haszcara und dem Bündnis „Let`s push feminism forward“

Sa., 28.10.2017, 14.00-18.00 Uhr – Theatersaal (5.115)

Wolltest du schon immer mal rappen, weißt aber nicht wie? Oder hast du bereits ein paar Skills und möchtest diese weiter ausarbeiten? Bist du Rap-Affin und gleichzeitig Feministin? Oder bist du einfach nur neugierig?
Dann bist du bei mir genau richtig. Ich bin Haszcara und stehe nun seit fast 3 Jahren mit Rap auf der Bühne, produziere eigene Beats und habe mich immer wieder mit Widersprüchlichkeiten bzw. Vereinbarkeit von Rap und Politik auseinandergesetzt.
Hier kannst du lernen, worum es im Rap geht, wie du deinen eigenen Stil entwickelst, Flow und Reime beherrschst und was du alles mit deiner Stimme machen kannst. Welche Inhalte du in deinem Rap verpacken kannst und vielleicht auch, was dich im ‚Rapgame‘ erwartet. Zusätzlich wollen wir Ideen sammeln, uns vernetzen, über das ein oder andere Thema diskutieren und uns über Erfahrungen austauschen.

Dieser Workshop richtet sich ausschließlich an FLTI*-Personen (Frauen*, Lesben, Trans*, Inter*).